Sonntag, 7. August 2011

@Laudi

Da ich seltsamerweise in meinem eigenen Blog keine Kommentare schreiben kann, hier die Antwort auf Deinen ausführlichen Kommentar in einem eigenen Beitrag:

Hey! "Wir" sind Robbert und ich. Robbert ist ein Holländer - wir haben uns vor einem Jahr in Finnland kennengelernt und er macht auch ein Praktikum. Sehr angenehmer Zeitgenosse und ich bin ziemlich glücklich darüber, die Zeit hier nicht alleine zu verbringen. *gg*
Meine Arbeit ist leider weniger unterhaltsam und lehrreich, als ich gehofft hatte. Wir analysieren Produkte von Thomson-Reuters und Bloomberg aufgrund von allem, was im Internet so zu finden ist und nach bester chinesischer Manier wird das Zeug dann nachgemacht. Wer hätte gedacht, dass man in dieser Maschinerie mal mitspielen dürfte. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Chinesischen Makro/Mikroökonomie und suchen nach Reports und Artikeln. Ich verbringe dann schon mal einen Nachmittag, einen dieser Reports, die normalerweise von Banken und Accountingunternehmen geschrieben werden, zusammenzufassen. Insgesamt lerne ich Chinas Ökonomie ziemlich gut kennen und auch über die restlichen Märkte war ich wohl selten so gut informiert. Nur ist das eben alles Selbststudium und Erkenntnisse muss man schon selbst gewinnen. Aber was soll's - auch zu Hause verbringe ich gerne Zeit mit dem, was ich hier tue. Nur zahlt da niemand dafür. :D
Zur Freizeit: Abends gehen wir meistens essen und einen Sprung auf unsere Lieblingsstraßen (siehe Bilder) und am Wochenende unternehmen wir was. Über Xin Tang werde ich auch noch einen kleinen Eintrag schreiben, das war auch ein recht lustiger Sonntag.
Zu den Hemden: Da jeder andere auch schwitzt (wir vlt. ein bisschen mehr), ist es halb so wild. Wir haben eine Waschmaschine im Apartement.
Von der altchinesischen Architektur sieht man leider nicht mehr so viel, zumindest nicht hier. In Xin Tang war das schon anders. Dazu aber bald mehr (hoffentlich *g*)
Ein Stadtviertel gibt's, wir nennen es "Chinatown", das sieht wirklich noch aus wie früher. Fotos hab ich. :D
Zu den Damen: Die einen wollen dein Geld, die anderen sind schüchtern oder mit sich selbst beschäftigt. Ich bin mir nicht so sicher, ob das mit dem Kennenlernen hier was wird, da waren die Hoffnungen wohl zu groß. Dennoch sind die Mädels, wie alle anderen Menschen hier, im Grunde genommen sehr freundlich und hilfsbereit. Dann gibt's hier noch ziemlich viele wunderschöne Halbgöttinnen, aber für die bin ich dann wieder zu schüchtern. *gg*
Zusammenfassung: Es ist wohl weder leichter noch schwerer als bei uns zu Hause - wenn man den Anspruch hat, dass sie nicht auf Geld aus ist und man beim Küssen kein Kondom tragen möchte.
Gou rou haben wir noch keines gegessen (unseres Wissens nach :D), aber Katzen und Schlangen haben wir schon gesehen. Katzen sehen aus wie Karninchen, wenn sie gegrillt sind. *hihi*
Die Gelegenheit, Chinesisch zu sprechen, bietet sich andauernd. Das Problem hierbei: Shanghai hua. Der Slang hier hat nicht mehr viel mit dem Chinesisch zu tun, das wir gelernt haben. Einige Sätze und Worte bringe ich trotzdem an und beim Bestellen des Essens ist das Erlernte ziemlich hilfreich. Im Grunde genommen haben wir aber ziemlich teuer gelernt, das kann man wohl so zusammenfassen. Hier hätte man auch die Gelegenheit zu lernen, und das um Welten günstiger.
Zum politischen/finanziellen: Das ist in China/Shanghai alles abfragbar. Da wird, soweit ich erkennen konnte (wir haben Zugang zur internettechnischen Außenwelt) nichts geblockt/gesperrt.
Ich bin soweit Deiner Meinung: Das vor-sich-herschieben haben wir aber unserem politischen System zu verdanken. Hier hört Demokratie, so wie wir sie im Moment praktizieren, einfach auf, zu funktionieren. Zumindest in Krisenzeiten braucht es keine Kompromisse, sondern gezielte Lösungen, die Ergebnisse erzielen. Politik als Spielplatz kann man dann wieder betreiben, wenn die größten Probleme aus der Welt sind. Zumindest ist es nicht schwer das Gefühl zu bekommen, dass die Politik in Europa/Amerika momentan nur Selbstzweck darstellt. Der eigentliche Sinn - das Lösen von Problemen - ist in deren Repertoire gar nicht enthalten. Gerade im Fall USA, wo das Schuldenlimit insgesamt über 75 mal erhöht wurde und nie gesenkt wurde - wobei das Schuldenlimit ohnehin eine Perversion darstellt, da es immer dann angehoben werden muss, wenn man beim Beschluss des Budgets mehr ausgeben wollte, als man Steuereinnahmen hatte - war es doch nicht schwer abzusehen, dass das irgendwann nicht mehr in gewohnter Art funktionieren kann. Man hat ganz einfach Politik auf Kosten der Zukunft betrieben und dasselbe gilt leider auch für Europa - wir wissen auch schon seit Ewigkeiten, dass unser Pensionssystem nicht tragbar ist. Deswegen ändert sich trotzdem nichts.
Politik auf Kosten der zukünftigen Generationen ist aber ohnehin in Mode. In Shanghai sieht man gelegentlich Menschen Aufdrucken auf T-Shirts: Tokyo-Atom. Mit einer lachenden Sonne, soweit ich mich erinnern kann.
SUV's, Verpackungen, Beleuchtungen etc. sind aber gerade in Shanghai sehr in Mode. Statussymbole à la Porsche Cayenne sieht man hier häufig. Dabei fährt das Ding sicher nie mehr als 60. Auch die Mädels haben hier den Tick, den unsere vor etwa 10 Jahen vermehrt hatten. Je dünner desto besser. Oft schon kränklich.
Könnte noch viel schreiben, aber wir werden ohnehin in den nächsten Tagen/Wochen sehen, wie das Finanzthema zu verstehen ist. Noch so eine Woche und die Finanzakteure werden sich anpinkeln vor Angst. :D
Bis dann und liebe Grüße aus Shanghai,
Paike

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