In meinem Fall würde das aber auch nichts ändern, weil ich mir nämlich, vermutlich im Großraumbüro, in dem es vor mir schon einige erwischt hat, einen grippalen Infekt geholt habe. Dazu noch die Wetterbedingungen und mein Wochenende ist nur mit Thomapyrin erträglich.
Immerhin kann mich später niemand für diese unleserlichen Zeilen verantwortlich machen - ich schreibe schließlich im Fieberwahn. *gg*
Shanghai ist immer noch beeindruckend. Unser Apartment liegt ziemlich zentral und wir sind nicht weit von den schönsten Tourist-locations entfernt. Eine davon ist "The Bund", ein elendlanger Gehweg am Flussufer, auf der Westseite die Gebäude aus vergangenen Zeiten mit Stileinflüssen von Europa und wasweißichwoher und auf der Ostseite die unzähligen, himmelhohen Gebäude, die Shanghai in den letzten zwei Jahrzehnten zu dem gemacht haben, was es heute ist: Eine gewaltige Stadt von 23 Millionen Einwohnern und klimatisierter Riesengebäude.
Die zweite Location, die wir so gut wie jeden Tag aufsuchen, ist ein Abschnitt der Remin Road in der Nähe des People's Square (sowas wie ein Park). Obwohl wir die ewigen Verkaufsversuche
"Watchurback" = Watch or Bag (man erschreckt ziemlich, wenn man's das erste Mal hört)
"Wanna Massage?" - "No" - "Ladybar?" - "No" - "Sex?!" - "No"
"Wanna Iphone?" - "Iphone 8?" - "Yes!! I have Iphone 9, 10, everything, whatdoyawant?"
mittlerweile leid sind. Daneben gibt's noch die Leute, die einem blinkede Rollerblades für die Schuhe verkaufen wollen, sowie die, die mit den Laserpointern herumfuchteln. Vor denen habe ich persönlich am meisten Angst. Diese Laserpointer würden in Österreich vermutlich als Waffen eingestuft werden. Nachdem ich mich aus Spaß mal mit einem der Verkäufer länger unterhalten durfte und er mir eindrucksvoll die Reichweite demonstrierte - das gute Ding hat den grünen Punkt am hellichten Tag höchst deutlich an die Spitze eines dieser monströsen Türme projeziert als wir selbst noch einige hundert Meter von diesem entfernt standen.
Es gibt hier jedenfalls genügend Touristenfallen und Abzockversuche. Auch einen Mr. Pi haben wir schon kennengelernt, der uns zum Tee ausführen wollte. Daneben gibt es noch die dutzenden (teilweise enorm hübschen) Mädels, die uns nicht nur zum Tee, sondern überall hin folgen würden. Wenn denn das Angebot stimmt. Bezahlter Sex scheint hier jedenfalls so üblich zu sein, wie der Kaffee zum Kuchen in Österreich. Wir erspähen jeden Tag in aller Öffentlichkeit asiatische Mädels, die äußerlich nicht als Prostituierte zu erkennen sind, und sich dann auch mal an die wohlhabend-aussehenden Asiatischen Männer ranmachen. Das alles natürlich unter der Aufsicht der von uns als "Rotschleifen" benannten Securityguards, die an allen Touristenorten stationiert sind und all diese lästigen Leute verscheuchen. Ist wie ein Katz-und-Maus-Spiel. Ernüchternd und unterhaltsam zugleich.
Zu guter Letzt möchte ich, da ich mich tagtäglich mit Neuigkeiten zu den Kapitalmärkten beschäftige und das zur Zeit mal wieder unübersehbar ist, meine 3 Subscriber und alle, die sich sonst noch genötigt und/oder befähigt fühlen, nach ihrer Meinung zu den aktuellen Höchstleistungen unserer Eliten am Kapitalmarkt befragen. Soweit ich sehe, hat dieser Blog eine Kommentarfunktion.
In den USA geht momentan der Slogan "Throw the Bums out!" um. Ich finde, man dürfte diesen auch in Europa und Österreich etablieren. Ich möchte euren Meinungen nicht vorausgreifen, aber die Untätigkeit und Unsicherheit der Politiker in der Schuldendebatte, bzw. der Frage, wie mit Europa und dem Euro nun verfahren werden soll, beginnt langsam aber sicher, sich unangenehm auf unsere Zukunft auszuwirken.
Um keine Entscheidungen zu treffen braucht es auch keine Politiker.
Kommentare sind herzlichst erwünscht. Natürlich auch, falls es Fragen zu Shanghai gibt.
Bis demnächst,
euer Patrick =)
P.S.:
Foto vom "Bund" auf die Hightower der Ostseite des Flusses Huang Pu
Renmin-Road bei Nacht. Klarerweise alles beleuchtet. Licht ist in Shanghai sowieso das A und O. Wozu gibt's denn sonst Atomstrom?!

Ni hao, Paike!
AntwortenLöschenWie schön von dir zu lesen! Dachten schon du wärst in die tiefste Provinz verschleppt worden*fg* Hab gehört europäische Organe würden einen guten Preis erzielen..*lol*
Also so wie es sich anhört gefällt es dir gut in Shanghai, das ist schön. Wie gefällt dir denn deine Arbeit? Wie sind die Kollegen? Und was treibst du denn so in deiner Freizeit? Und wer sind "wir" in deinem Text? Achja, da fällt mir ein, vergiss nicht das ESSEN zu fotografieren ;)
Hoffe, dass du bei all dem salzigen Saft dennoch einen Weg gefunden hast deine Hemden trocken zu halten? Oder gehts nach dem Motto "Ohne Schweiss kein Preis"?*fg*
Das ist eine großartige Erfahrung die dir widerfährt; die Architektur hat leider nichts (mehr) mit dem traditionellen Altchinesischen Stil zu tun bzw für unsere Verhältnisse typisch asiatische Züge sind da nicht wirklich vorhanden. Ich persönliche finde es schade, dass die Chinesen dem Westen nacheifern und dabei ihre kulturellen architektonischen Wurzeln ignorieren.
Shanghai ist ein Touristenmagnet und dass da abgezockt wird ist nicht überraschend, insbesondere wenn ich daran denke was Yan uns über die geschäftstüchtigen Chinesen eingebläut hat. Achja, schon gou rou gegessen *fg* (Sorry, die Frage konnte ich mir nicht verkneifen!;))
Das florierende Sexbusiness erstaunt mich aber doch sehr! Aber das macht denn Tag sicher etwas reizvoller. Apropos, hast du schon eine hübsche nette Dame nach deinem Geschmack kennengelernt?! Bist du nur mit deinen Leuten aus dem Büro unterwegs oder anders gefragt sprichst du nur Englisch oder hattest du schon Gelegenheit deinen teuer erlernten chinesischen Wortschatz anzubringen?
Fragen über Fragen, ich hoffe ich/wir fragen dir keine Löcher in den Bauch;)
Achja, gut zu wissen, dass du dich trotz der Distanz weiterhin für Politik und Wirtschaft außerhalb der sozialistischen Grenzen interessierst:) sagen wirs mal so, mich hätte es nicht gewundert wenn die Chinesen auch ausländische Nachrichtensites gesperrt hätten.
Was die Schuldendebatte angeht so wundert es mich nicht dass es zu keiner Lösung kommt. Die Politiker schieben das Problem einfach vor sich hin und warten bis die nächste Legislaturperiode anbicht, sodass sie es an die nächsten weiter geben können und die tun es wiederum genauso. Dirk Müller hat es am Tag nach der Verkündung der Einigung auf den Rettungsschirm treffend formuliert: Willkommen in den Vereinigten Schulden von Europa. Wie kann es sein, dass wir für die Schulden anderer Staaten haften? Vertragrechtich ist das doch überhaupt nicht abgesichert! Das Paket wurde nur deshalb so schnell geschnürt um die Märkte zu beruhigen, um die Ratingagenturen zu beschwichtigen und die Leute davon abzuhalten ihr Geld aus der Bank zu holen. Das alles ist doch eine Pharse.
Ich denke man wollte mit dem Euro eine Ablösung für die Reservewährung Dollar schaffen, vergaß aber, dass Europa noch lange nicht bereit dafür ist an einem Strang zu ziehen sei es politisch, wirtschaftich oder sonst auf eine andere Art und Weise.
Oder was denkst du?
Gute Besserung wünschen wir dir! Werden schon schlafen gehen, immerhin ist es bei uns 2 am.
Und mach Fotos ohne Ende, wir erwarten eine Diashow wenn du zurück kommst*fg*
Bussi
Laudi & Bende